Nach dem Stromausfall im Berliner Südwesten ordnen Experten des Fraunhofer IEE die Lage ein und zeigen, wie Resilienz, Netzstabilität und moderne Regelungsverfahren den Wiederaufbau beschleunigen und zukünftige Ausfälle abmildern.
Nach dem Stromausfall im Berliner Südwesten ordnen Experten des Fraunhofer IEE die Lage ein und zeigen, wie Resilienz, Netzstabilität und moderne Regelungsverfahren den Wiederaufbau beschleunigen und zukünftige Ausfälle abmildern.
Der großflächige Stromausfall im Berliner Südwesten Anfang Januar 2026 verdeutlicht: Auch sehr zuverlässige Stromnetze benötigen für seltene Extrem- und Mehrfachereignisse ein klar definiertes Resilienzniveau – also die Fähigkeit, Ausfälle zu begrenzen und die Versorgung schnell wiederherzustellen.
Nach öffentlichen Berichten führte ein Brandereignis an einer kritischen Stelle zu gleichzeitigen Schäden an mehreren Hoch- und Mittelspannungskomponenten. Betroffen waren rund 45.000 Haushalte und über 2.000 Unternehmen; kritische Einrichtungen schalteten temporär auf Notstrom. (Details werden von den zuständigen Stellen fortlaufend aufgearbeitet.)
Resilienz betrachtet nicht nur technische Defekte, sondern eine breitere Gefährdungslage:
Für Stromnetze lassen sich drei technische Anforderungen unterscheiden:
Am Fraunhofer IEE entwickeln und bewerten wir Verfahren, die Netzbetreiber und Industrie bei Planung und Betrieb resilienter Netze unterstützen:
Seltene Mehrfachereignisse können klassische Auslegungsprinzipien aushebeln, wenn mehrere Komponenten durch eine gemeinsame Ursache gleichzeitig betroffen sind. Die zentrale Frage ist daher: Welches Resilienzniveau wollen wir? Und welche Maßnahmen (technisch, organisatorisch, regulatorisch) sind dafür sinnvoll – inklusive transparenter Kosten- und Nutzenbewertung?
Disclaimer: Stromnetz Berlin geht die Wiederherstellung nach allem, was öffentlich ersichtlich ist, sehr kompetent und professionell an. Unsere Einordnung zielt nicht auf operative Schuldfragen, sondern auf systemische Fragen, was wir daraus lernen, welches Resilienzniveau wir regulatorisch definieren, wie Maßnahmen und Kosten dafür verlässlich umgesetzt werden können.
Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Stromausfall in Berlin und zum Thema Netzresilienz.
Am 3. Januar 2026 führte ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal zur Beschädigung mehrerer Hoch- und Mittelspannungskabel. Dadurch waren rund 45.000 Haushalte und über 2.000 Unternehmen im Südwesten Berlins ohne Strom. Die Reparatur ist komplex, da unterschiedliche Kabeltechnologien verbunden werden müssen.
Das N‑1-Prinzip stellt sicher, dass die Versorgung auch beim Ausfall einer Komponente stabil bleibt. Bei einem N‑2-Fall – also dem gleichzeitigen Ausfall mehrerer Komponenten – kann die Redundanz nicht mehr greifen, was zu großflächigen Ausfällen führt, wie in Berlin geschehen.
Die Verbindung von Öl- und Kunststoffkabeln erfordert Spezialteams, tiefe Baugruben und eine staubfreie Umgebung. Hinzu kommen Sicherheitsauflagen und die Notwendigkeit, provisorische Lösungen zu schaffen, bevor die Kabelbrücke vollständig erneuert werden kann.
Neben Zugangsschutz und Segmentierung kritischer Trassen sind zusätzliche Redundanzen wichtig. Moderne Netzplanung, intelligente Steuerung und schnelle Reparaturprozesse erhöhen die Resilienz und reduzieren die Ausfallzeiten.
Stromrichter sind zentrale Bausteine für die Netzstabilität. Sie erfassen Systemzustände wie Spannung und Frequenz und können synthetische Trägheit bereitstellen. So helfen sie, das Netz stabil zu halten und den Wiederaufbau nach einem Blackout zu beschleunigen.
Ja, vor allem in Kombination mit Batteriespeichern. Dezentrale Erzeugung ermöglicht die Bildung von Mikronetzen, die wichtige Verbraucher auch bei großflächigen Störungen zeitweise versorgen können.
Trassenredundanz bedeutet, dass eine komplette Stromtrasse ausfallen darf, ohne die Versorgung zu unterbrechen. Sie erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen physische Sabotage und ist ein wichtiger Baustein für die Netzresilienz.