Neuer BEE-Energiewenderechner macht die Energiewende vor Ort planbar
Gemeinsam mit dem Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) hat das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE den neuen Energiewenderechner entwickelt. Das digitale Simulations- und Planungstool ermöglicht erstmals eine deutschlandweit einheitliche, wissenschaftlich fundierte Betrachtung der Energiewende auf regionaler Ebene.
Das Tool bildet die Energiewende auf Landkreisebene ab und ermöglicht die Simulation verschiedener Ausbauszenarien bis 2045. Dabei werden neben der erneuerbaren Stromerzeugung auch Stromverbrauch, Speicher, Elektromobilität, Power-to-Heat-Anwendungen und Elektrolyse berücksichtigt. Acht unterschiedliche Wetterjahre sorgen dafür, dass regionale Unterschiede und wetterbedingte Schwankungen realitätsnah dargestellt werden.
Landkreise können einzeln oder gemeinsam simuliert und bis zur Bundesland- und Deutschlandebene zusammengeführt werden. Dadurch erhalten Kommunen, Länder, Netzbetreiber und weitere Stakeholder der Energiewirtschaft eine gemeinsame Datengrundlage, um regionale Ausbaupfade zu analysieren, zu vergleichen und gemeinsam weiterzuentwickeln.
Mehr als 300 Akteure gestalten ein gemeinsames Planungsinstrument
Der Energiewenderechner wurde gemeinsam mit einem breiten Bündnis entwickelt: Insgesamt unterstützen 305 Unternehmen, Verbände, Institutionen und öffentliche Akteure das Projekt. Die intensive Zusammenarbeit ermöglichte es, unterschiedliche Anforderungen und Perspektiven bereits während der Entwicklung des Werkzeugs zu berücksichtigen.
Transparenz über regionale Entwicklungspfade
Im Mittelpunkt des Energiewenderechners steht die Frage, wie Erzeugung, Verbrauch und Flexibilitäten regional besser aufeinander abgestimmt werden können. Ziel ist es, Strom dort zu erzeugen, wo er genutzt wird, unnötige Transporte zu vermeiden und den Bedarf für zusätzlichen Netzausbau zu reduzieren. Gleichzeitig macht das Werkzeug unterschiedliche Entwicklungsoptionen sichtbar und ermöglicht es, Szenarien anzupassen, zu vergleichen und weiterzuentwickeln.
Das digitale Tool schafft mit einer gemeinsamen Datengrundlage und Simulationsebene eine belastbare Kommunikationsbasis für die Energiewende. Nutzerinnen und Nutzer können Annahmen verändern und die Auswirkungen unterschiedlicher Entscheidungen unmittelbar nachvollziehen. So werden Ergebnisse vergleichbar und Planungen transparent.
„Die nächste Phase der Energiewende entscheidet sich nicht nur daran, wie viel wir bauen, sondern wo, wann und in welchem Zusammenspiel. Der Energiewenderechner zeigt deshalb nicht den einen vermeintlich optimalen Pfad auf. Entscheidend ist die Transparenz über Alternativen und ihre Wechselwirkungen. So schaffen wir eine gemeinsame Grundlage für Kommunen, Netzbetreiber, Politik und Energiewirtschaft, um fundierte Entscheidungen für die regionale Energiewende treffen zu können“, sagt Prof. Dr. Martin Braun, Institutsleiter des Fraunhofer IEE.
Wissenschaftliche Expertise des Fraunhofer IEE als Fundament
Die Entwicklung des Energiewenderechners baut auf den langjährigen Forschungsarbeiten des Fraunhofer IEE auf. Das Institut beschäftigt sich seit vielen Jahren mit regionalen Fragestellungen der Energiewirtschaft. Dazu gehören unter anderem die Analyse bestehender Erzeugungs- und Verbrauchsstrukturen, die Identifikation von Flexibilitätspotenzialen, Untersuchungen zur Flächenverfügbarkeit für Erneuerbare-Energien-Anlagen, die Aufbereitung hochaufgelöster Wetterdaten zur Ertragssimulation sowie die Entwicklung regionaler Energieszenarien.
Diese wissenschaftlichen Grundlagen flossen maßgeblich in die Entwicklung des Energiewenderechners ein und bilden die Basis für die hohe räumliche Auflösung und die fundierten Simulationsmöglichkeiten des Werkzeugs.
„Im Energiewenderechner konnten wir die langjährige Expertise des Fraunhofer IEE in der Energiesystemmodellierung, Datenanalyse und regionalen Szenarienentwicklung bündeln. Viele der zugrunde liegenden Modelle, Datensätze und Methoden wurden am Institut über Jahre entwickelt und kontinuierlich weiter verbessert. Dieses Know-how hat es ermöglicht, ein Werkzeug aufzubauen, das komplexe Zusammenhänge transparent macht und Akteuren vor Ort belastbare Entscheidungsgrundlagen bietet“, sagt Maximilian Pfennig, Projektleiter des Energiewenderechners am Fraunhofer IEE.
Regionale Planung als Schlüssel zur Systemintegration
Die nächste Phase der Energiewende entscheidet sich zunehmend durch das Zusammenspiel von Erzeugung, Verbrauch und Flexibilitäten. Dabei geht es nicht nur um den Ausbau Erneuerbarer Energien, sondern um deren effiziente Integration in das Gesamtsystem. „Die Energiewende wird dezentral gebaut – also müssen wir sie auch dezentral verstehen und planen. Der Energiewenderechner macht Annahmen sichtbar, Wirkungen vergleichbar und Planung nachvollziehbar“, sagt Dr. Matthias Stark, Abteilungsleiter Erneuerbare Energiesysteme beim BEE.
Startschuss für die praktische Anwendung
Mit der Veröffentlichung beginnt die praktische Anwendung des Energiewenderechners. Ab sofort steht das Tool für die regionale Planung und Simulation in ganz Deutschland zur Verfügung.
Die Projektpartner verstehen die Veröffentlichung zugleich als Beginn eines Entwicklungsprozesses. Mit den Erfahrungen aus der Praxis soll der Energiewenderechner gemeinsam mit den beteiligten Akteuren kontinuierlich weiterentwickelt werden.
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